MARVEL Tōkon: Fighting Souls ist ein Prügelspiel von Arc System Works, die man vor allem aus Dragon Ball FighterZ, Guilty Gear, BlazBlue und mehr kennt, in dem zwei Teams aus je vier Marvel-Figuren gegeneinander antreten. Beide Seiten teilen sich eine gemeinsame Lebensleiste, sodass kein Kampf aus vier einzelnen Duellen besteht, sondern ein durchgehendes Match mit Assists und Charakterwechseln entsteht. Zum Start stehen 20 Figuren in fünf festen Teams bereit, dazu kommt ein Story-Modus von rund zehn Stunden Länge. Wie gut das Ganze wirklich funktioniert, erzählen wir euch in diesem Testbericht.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Story und Atmosphäre
Vom Episodenmodus hatte ich anfangs wenig erwartet, weil Prügelspiele ihre Kampagnen meist über eine sehr dünne Rahmenhandlung erzählen, die nur die Kämpfe zusammenhält. Die Ausgangslage ist hier für alle fünf Kampagnen tatsächlich dieselbe. Der Champion of the Universe (auch bekannt als Tryco Slatterus in den Comics), ein kosmisches Wesen, vernichtet Welten, die ihm keine würdigen Gegner liefern. Nach der Zerstörung des Shi’ar-Heimatplaneten fällt sein Blick auf die Erde, und seine Handlangerin The Promoter ruft ein Turnier aus, in dem Viererteams um den Fortbestand ihrer Welt antreten.
Trotz dieses gemeinsamen Rahmens sind die fünf Geschichten deutlich stärker ausgearbeitet, als das Grundgerüst vermuten lässt. Geschrieben hat sie Kieron Gillen, der zuvor lange Marvel-Reihen verantwortet hat, und das merkt man an den Dialogen und am Aufbau der insgesamt 55 Kapitel.

Die Episoden lesen sich sehr nah an echten Comicheften und nicht wie eine Zweitverwertung des Rosters. Jede Kampagne hat außerdem einen eigenen Zeichner.

Hiro Mashima übernimmt die Fighting Avengers, Emanuela Lupacchino die Unbreakable X-Men, Mike Deodato die Knights of Doom. Dieselbe Figur sieht dadurch von einer Kampagne zur nächsten teils völlig anders aus, was den Wechsel zwischen den Teams zusätzlich reizvoll macht.

Erzählt wird als Motion Comic, also als gezeichnete Panels mit Bewegung, Kameraführung und vollständiger Sprachausgabe, die auch auf Deutsch vorliegt. Dazwischen liegen spielbare Kämpfe, die den jeweiligen Handlungsschritt aufgreifen, und der DualSense gibt bei Panelwechseln und einzelnen Schlüsselmomenten haptisches Feedback. Die fünf Erzählstränge greifen an mehreren Stellen ineinander, weil dieselben Ereignisse aus anderer Perspektive auftauchen und die Turnierkämpfe der Teams sich gegenseitig erklären. Wer alle Kampagnen nacheinander spielt, versteht manche Szene rückwirkend besser.

Im Ton reicht das von klassischer Superheldendramatik bis zu deutlich überdrehtem Anime-Pathos. Die Samurai Outriders um Ghost Rider, Blade, Deadpool und Loki setzen dabei auf Dämonenthematik mit reichlich schwarzem Humor, während die X-Men-Episode den Umgang mit Mutantenhass ernster behandelt. Der grobe Ablauf ähnelt sich allerdings von Kampagne zu Kampagne. Jedes Team wird zusammengestellt, kämpft sich durch das Turnier und trifft am Ende auf The Champion. Ab der dritten Episode kennt man die Stationen und liest vor allem wegen der Figuren weiter. Nur die letzte Episode überrascht beim Beginn ein wenig. Nachteil dieser Erzählstruktur ist, dass viele Spieler sich denken könnten, das es einfach immer dieselbe Story ist und nur ihr Lieblingsteam wählen und die anderen nicht spielen bzw. es etwas repetitiv wirkt, auch wenn die Comics sehr gut sind, da alles mehr oder weniger auf dasselbe hinausläuft.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Gameplay und Kampfsystem
Vor dem Match stellt man vier Figuren zusammen und verteilt sie auf die Rollen Leader, Shooter, Vertical und Assault. In den Kampf startet man nur mit dem Leader und einem Assist-Charakter.

Die beiden übrigen Figuren schaltet man erst während des Matches frei, indem man den Gegner mit einem harten Treffer in einen anderen Abschnitt der Arena befördert oder eine Runde verliert. Dieser Wall Break ist damit kein reiner Effekt, sondern ein eigenes taktisches Ziel, weil er die Teamstärke direkt erhöht.

Zwei Leisten regeln den Rest. Die Assemble Gauge füllt sich durch gelungene Aktionen und bezahlt Assists sowie Tag-Wechsel, die Skill Gauge versorgt EX-Moves und die großen Ultimate Skills.

Ein Shooter-Assist schickt Projektile über den Bildschirm und hält den Gegner auf Distanz, ein Vertical-Assist bestraft Sprünge, ein Assault-Assist eröffnet Druckphasen und Mixups. Landet ein Assist einen Treffer, kann man per Active Tag direkt auf diese Figur wechseln und die Kombo verlängern. Defensiv steht der Assemble-Counter zur Verfügung, für den man allerdings Ressourcen zurückhalten muss.

Der Einstieg fällt leicht, weil Link Attacks als Auto-Combos funktionieren und sich Spezialangriffe wahlweise mit vereinfachten Eingaben oder klassischen Kommandos ausführen lassen. Die Tiefe steckt in den Assist-Regeln, und dort wird es schnell anspruchsvoll.

Die Zeitfenster für Tags sind eng, und wer den Moment verpasst, bekommt statt des geplanten Team-Setups einen Standardangriff oder gar nichts. Die schiere Menge an Systemen überfordert am Anfang, das legt sich nach ein paar Stunden aber deutlich.

Die 20 Figuren spielen sich klar unterscheidbar. Star-Lord hält Gegner kurz in Fallen fest, Carnage überträgt einen Teil von sich auf den Gegner und stärkt damit die eigene Kampfkraft, Ghost Rider setzt Höllenfeuer ein, um auf größere Entfernung Druck aufzubauen.

Die gemeinsame Lebensleiste verhindert das aus anderen Tag-Fightern bekannte Comeback durch eine frische Figur, macht den Spielstand dafür jederzeit ablesbar, da geteilte Lebensleisten und das aktive wechseln gerade unerfahrene Spieler schnell abschrecken können.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Minispiele

Als Multiplayer bzw. Offline Minispiele gibt es insgesamt drei. In Arcadia Rumble bewegen sich bis zu acht Spieler mit ihren Avataren durch eine Arena, sammeln Sterne und sogenannte Fighter Souls ein, die als Karten die eigenen Werte verbessern, und setzen Active Souls als Gegenstände ein, etwa Captain Americas Schild. Danach geht es in kurze Versus-Kämpfe. Das Ganze lässt sich offline gegen die CPU oder online spielen.

Daneben gibt es die All-Star Arena, in der man mit einem Team verschiedene Routen abarbeitet und dabei Kämpfe mit festen Zielvorgaben bestreitet, sowie einen Survival-Modus mit fortlaufenden Gegnerteams. Diese Modi ersetzen kein Training, taugen aber gut für Abende mit Gästen, die mit dem eigentlichen Kampfsystem wenig anfangen können.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Multiplayer
Lokal spielt man 1 gegen 1 an einer Konsole, wobei jeder Spieler weiterhin ein Viererteam steuert. Online beginnt man mit Casual-Matches, und nach zehn absolvierten Kämpfen öffnet sich der Zugang zu den Ranglisten-Matches. In Raum-Matches lassen sich eigene Regeln und Ziele festlegen, und die offene Lobby fasst bis zu 64 Spieler, die dort Partien suchen oder zuschauen. Cross-Play mit der PC-Fassung ist aktiv und lässt sich in den Optionen abschalten.

Der Rollback-Netcode leistet gute Arbeit. Eingaben kommen ohne spürbare Verzögerung an, und auch Partien über größere Entfernungen bleiben sauber lesbar. Für die Online-Modi der PlayStation-5-Version wird eine PlayStation-Plus-Mitgliedschaft vorausgesetzt, sämtliche Solo-Inhalte laufen dagegen vollständig offline.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Grafik und Performance
Der Cel-Shading-Look inszeniert die Marvel-Figuren als Anime-Charaktere mit kräftigen Linien, überzeichneten Effekten und heranfahrender Kamera bei großen Angriffen.

Die Arenen basieren auf bekannten Schauplätzen wie Wakanda, dem Savage Land oder Asgard und bestehen aus mehreren Abschnitten, zwischen denen ein Wall Break den Kampf im laufenden Match verschiebt. Das sieht in Bewegung ausgesprochen gut aus und bleibt auch nach vielen Stunden sehenswert.

Technisch läuft die PlayStation-5-Fassung mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Die Ausgabe erfolgt in 4K mit Upscaling, auf der PlayStation 5 Pro fällt das Bild dank PSSR noch etwas schärfer aus. Ladezeiten sind kurz, ein Rematch startet fast unmittelbar.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Musik und Sounddesign
Der Soundtrack setzt auf rock- und metallastige Kampfmusik mit orchestralem Superhelden-Einschlag und elektronischen Anteilen, komponiert unter anderem von Daisuke Ishiwatari, Melissa Reese und Toma Otowa. Die Stücke reagieren auf den Matchverlauf und ziehen bei Stage-Wechseln und Ultimate Skills spürbar an, ohne dass die Übergänge abgehackt wirken.

Das Trefferfeedback ist sauber abgestuft. Blocks, Counter und Wall Breaks klingen deutlich unterschiedlich, sodass man auch bei unübersichtlicher Optik hört, was gerade passiert ist. Die Sprachausgabe liegt in zehn Sprachen vor, die deutsche Fassung deckt den kompletten Episodenmodus ab. Über die 3D-Audio-Funktion der PlayStation 5 sitzen Assists und Projektile hörbar im Raum, was in schnellen Situationen tatsächlich bei der Orientierung hilft.

MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Preis und Verfügbarkeit
Die Standard Edition von MARVEL Tōkon: Fighting Souls kostet 69,99 Euro und ist für die PlayStation 5 sowohl als Disc-Version im Handel als auch digital im PlayStation Store erhältlich. Die Digital Deluxe Edition liegt bei 94,99 Euro und enthält zusätzlich den Year 1 Characters & Stage Pass sowie einige Lobby-Extras. Die Ultimate Edition kostet 109,99 Euro und ergänzt weitere Kostüme und Farbfreischaltungen für alle Startcharaktere. Der Season Pass ist einzeln für 34,99 Euro erhältlich und bringt im ersten Jahr vier weitere Charaktere und eine zusätzliche Arena. Einen Trailer für Cyclops, den man aus X-Men kennt, gibt es bereits. Für die Online-Modi wird eine PlayStation-Plus-Mitgliedschaft benötigt.















