Die Joy-Con 2 der Nintendo Switch 2 sind flach und schmal gebaut, was sich bei längeren Handheld-Sessions in Händen und Handgelenken bemerkbar macht. Gerade die Joysticks. Der Mobapad M12 HD ist ein zweiteiliger Ersatz mit ausgeformten Griffen, kontaktlosen TMR-Sticks und mechanischen Tasten, der die Nintendo Switch 2 zu einer richtigen mobilen Konsole machen möchte. Wie gut das gelingt, erzählen wir euch in diesem Testbericht.

Mobapad M12 HD – Design und Funktionalität
Von vorn sieht der Mobapad M12 HD den Joy-Con 2 recht ähnlich, aber von hinten ist er ein deutlich anderer Controller. Statt der flachen Rückseite gibt es ausgeformte Griffe, wie man sie vom Pro Controller kennt.

Jede Hälfte wiegt rund 92,5 Gramm, und weil der Schwerpunkt näher an der Konsolenmitte liegt, kippt die Nintendo Switch 2 im Handheld-Betrieb weniger nach vorn. Breiter wird das Ganze trotzdem, und zwar sichtbar.

Die Verarbeitung ist super: gleichmäßige Spaltmaße, beim Verwinden knarzt nichts, und die Hälften sitzen in den Magnetschienen so fest, dass sich nichts bewegt. Die matte Beschichtung ist angenehm griffig, nach ein paar längeren Sessions zeichnen sich auf dem dunklen Gehäuse allerdings leichte Fettschlieren ab. Das kennt man vom Pro Controller der Nintendo Switch 2 genauso.

Der eigentliche Grund für den Wechsel steckt in den Bedienelementen. Haupttasten, Steuerkreuz und Schultertasten laufen über mechanische Mikroschalter mit kurzem Weg und klarem Druckpunkt.

Die TMR Glide Sticks messen kontaktlos über Magnetsensoren, und im Inneren fängt ein Silikonring den Stick am Anschlag ab, bevor er auf das Gehäuse trifft.

Da schleift also nichts mehr, was mechanisch verschleißen könnte, und damit ist auch Stick-Drift vom Tisch. Neben dem montierten Steuerkreuz liegt ein zweites in Scheibenform bei, dazu ein Satz Ersatzkappen für die Sticks.

Ein paar Dinge kann der Mobapad M12 HD, die den Joy-Con 2 komplett fehlen. Auf der Rückseite jeder Hälfte sitzen zwei frei belegbare Tasten (M1 und M2), rechts kommt der M-Button für Turbo, Makros und Tastenbelegung dazu.

Beide Hälften haben einen eigenen 800-mAh-Akku und einen Kippschalter, mit dem sich die Stromverbindung zur Konsole trennen lässt. Das beleuchtete Logo auf der Front kann man in Farbe und Helligkeit anpassen oder abschalten, danach fällt es kaum noch auf.

An anderer Stelle bleibt Mobapad hinter dem Original zurück. Die Vibration ist klassisches HD-Rumble, kein HD Rumble 2. Der Bewegungssensor arbeitet mit sechs Achsen statt mit neun. Und dort, wo bei den Joy-Con 2 der Maussensor sitzt, ist die Aussparung blind.

Nebenbei: In eine normale Tasche für die Nintendo Switch 2 passt die Konsole mit montierten Controllern nicht mehr, dafür hat Mobapad ein eigenes und ziemlich gutes Hartschalen-Case im Programm mit Platz für zusätzlich 12 Nintendo Switch Spiele.
Mobapad M12 HD – Bedienung
Der Unterschied zeigt sich schon in den ersten Minuten. Die Hand umschließt den Griff komplett, der Daumen liegt entspannt auf dem Stick, Zeige- und Mittelfinger finden die Schultertasten in einer natürlichen Haltung. Auch nach mehreren Stunden mit Actionspielen zieht sich nichts im Handgelenk zusammen, während die Joy-Con 2 in derselben Zeit unbequem werden. Beim Einschieben greifen die Magnete kräftig, zum Abnehmen braucht es einen beherzten Zug.

Die Sticks setzen kleine Korrekturen sauber um und laufen leichtgängiger als die Originale (auch weil sie länger sind und mehr Weg haben), was beim Zielen und in Rennspielen am schnellsten auffällt. Die Mikroschalter klicken bei jeder Eingabe hörbar, das Steuerkreuz sogar am deutlichsten. Störend laut ist das nicht, abends neben einem schlafenden Mitbewohner hört man es aber. Für Prügelspiele und 2D-Plattformer lohnt der Wechsel auf das klassische Kreuz, sonst bleibt die Scheibe montiert. Die Tasten fühlen sich jedoch generell schneller und zuverlässiger an, als bei originalen Joy-Cons. Das merkt man besonders bei Rythmus- oder Party-Spielen, da man dort aufgrund der schnelleren Eingaben einen Vorteil hat.

Die Rücktasten sind ab Werk leer und lassen sich frei belegen. Sinnvoll sind dort Eingaben wie Sprint oder eine Spezialaktion, damit der Daumen währenddessen auf dem Stick bleiben kann. Abgenommen laufen beide Hälften per Bluetooth, die Verbindung bleibt stabil und reagiert ohne spürbare Latenz. Für den Fernseher wandern sie in den SA2-Ladegriff, der aus dem Set ein kompaktes Gamepad macht und dabei lädt.

Die Bewegungssteuerung reicht für gelegentliches Zielen in Adventures und Shootern locker aus. Wer Splatoon fast ausschließlich mit Gyro spielt, merkt die sechs Achsen gegenüber den Joy-Con 2 dagegen. Eine eigene C-Taste hat der Mobapad M12 HD nicht. Der M-Button auf der rechten Hälfte ist ab Werk mit einem Makro belegt, das über den Home-Bildschirm die Chat-App aufruft, und lässt sich jederzeit anders belegen.

Mobapad M12 HD – Kompatibilität und Protokoll
Hier liegt der Punkt, an dem sich der Mobapad M12 HD von den offiziellen Controllern unterscheidet. Er meldet sich an der Nintendo Switch 2 über den Protokollstack der ersten Switch-Generation an, die Konsole behandelt ihn also wie einen Joy-Con der alten Generation. Im Spiel selbst merkt man davon nichts, Tasten, Sticks, Vibration und Gyro arbeiten überall. Auffällig wird es bei den Funktionen, die erst mit der neuen Konsole dazugekommen sind.

Die Maussteuerung fällt weg, weil die optischen Sensoren fehlen. Für Titel wie Drag x Drive bleiben die originalen Joy-Con 2 also in Reichweite, und daran ändert sich bei den Alternativen anderer Hersteller derzeit auch nichts. HD Rumble 2 und der 9-Achsen-Gyro der neuen Generation bleiben ebenfalls außen vor.

Am deutlichsten wirkt sich das Protokoll beim Strom aus. Die Nintendo Switch 2 versorgt den Mobapad M12 HD nur, solange sie eingeschaltet ist, im Ruhezustand lädt sie ihn nicht nach. Das Aufwecken der Konsole über die Home-Taste hat Mobapad per Firmware nachgereicht und läuft inzwischen sauber, was viele Drittanbieter-Controller an der Nintendo Switch 2 gar nicht hinbekommen.

Wer die neuen Systemfunktionen braucht, schaut sich den M12S an, die Schwestervariante mit Switch-2-Protokoll. Die hat eine echte C-Taste, einen 9-Achsen-Gyro und lädt wie die Joy-Con 2 auch im Ruhezustand, arbeitet dafür mit einem Rotationsmotor statt HD-Rumble und kennt kein NFC. Beides zusammen gibt es aktuell in keinem Modell, die Wahl läuft also auf Vibration und Amiibo gegen Systemintegration und Ladekomfort hinaus. Wo die M6 HD für die Nintendo Switch ein unglaubliches Komplettpaket und ein echter Ersatz war, muss man hier doch auf paar Dinge verzichten.

Mobapad M12 HD – App und Software
Die Mobapad-App für iOS und Android kümmert sich um Button-Mapping, Makros, Stick-Deadzones, Vibrationsstärke und die RGB-Beleuchtung. Ein Tastentest ist ebenfalls dabei, mit dem sich nach der Einrichtung einmal alles durchklicken lässt. Linke und rechte Hälfte werden getrennt verbunden und konfiguriert, weil die Konsole sie technisch als zwei eigenständige Controller sieht. Die Profile bleiben anschließend auf dem Controller, das Smartphone kann also wieder in die Tasche.
Beim Belegen gibt es eine Eigenheit, die aus dieser Zweiteilung folgt. Normales Remapping bleibt auf der jeweiligen Seite, eine Taste der linken Hälfte kann also nur mit Eingaben der linken Hälfte belegt werden. Makros dürfen dagegen Eingaben beider Hälften mischen, was der M12S in dieser Form nicht kann.
Makros gehen auch ohne Smartphone. Dafür wird der M-Button gehalten, bis die Beleuchtung auf Lila springt, dann läuft die Sequenz einmal durch und landet auf M1 oder M2. Turbo und Vibrationsstärke lassen sich ebenfalls über Tastenkombinationen direkt am Controller einstellen. Das erste Firmware-Update lohnt sich trotzdem, weil damit die Wake-Up-Funktion kommt und das Gyro-Verhalten in einzelnen Spielen sauberer läuft. Eingespielt wird es im Bluetooth-Modus, einmal pro Hälfte.
Mobapad M12 HD – Akkulaufzeit
Mobapad gibt 15 bis 20 Stunden pro Controllerhälfte an, und das kommt hin. Mit aktivem HD-Rumble und regelmäßiger Gyro-Nutzung sind es eher 16 bis 19 Stunden, ohne Vibration hängt noch etwas dran. Nach rund zwei Stunden am Strom sind beide Hälften wieder voll.

Geladen wird im Handheld-Betrieb über die Schienen, solange der Power-Saver-Schalter aus ist, im Dock-Betrieb genauso, solange die Nintendo Switch 2 läuft. Unabhängig von der Konsole übernimmt das der SA2-Ladegriff per USB-C, dieser erscheint erst in Kürze. Wer sein Handheld abends einfach zuklappt, findet die Controller am nächsten Morgen allerdings auf demselben Ladestand wie am Vorabend.

Der Power-Saver-Schalter dreht die Sache um. In dieser Stellung zieht der Mobapad M12 HD keinen Strom mehr aus der Konsole, sondern läuft komplett aus dem eigenen Akku. Mobapad rechnet mit etwa einer halben Stunde mehr Laufzeit für die Nintendo Switch 2, und auf einer langen Zugfahrt ist das genau die halbe Stunde, die am Ende fehlt.

Mobapad M12 HD – Preis und Verfügbarkeit
Mobapad ruft für den M12 HD 89,99 US-Dollar auf, mit dem SA2-Ladegriff im Bündel sind es 99,99 US-Dollar, einzeln kostet der Ladegriff 25,99 US-Dollar. Verkauft wird über den Mobapad-Shop und einzelne europäische Fachhändler.
Beim Zubehör gibt es ein passgenaues Hartschalen-Case für 29,99 US-Dollar und eine größere Umhängetasche für 59,99 US-Dollar, beide für die Konsole mit montierten Controllern gedacht. Der M12S liegt preislich auf ähnlichem Niveau.



















