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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition sind die Switch-Portierungen der Game-Boy-Advance-Remakes von 2004. Als klassische, rundenbasierte JRPGs schicken sie den Spieler durch die Kanto-Region, um Pokémon zu fangen, acht Arenenorden zu sammeln und die Pokémon-Liga herauszufordern. Entwickelt von Game Freak und veröffentlicht von Nintendo, laufen beide Editionen auf der Nintendo Switch und dank Abwärtskompatibilität auch auf der Nintendo Switch 2.

    Hinweis: Ich habe mal die das eine Spiel auf Deutsch und ein anderer Kollege auf Englisch gespielt, daher sind die Screenshots hier gemischt. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das Spiel nur einsprachig kommt.

    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Story und Atmosphäre

    Als zehnjähriges Kind verlässt man das Dorf Alabastia, erhält von Professor Eich seinen ersten Partner — Bisasam, Glumanda oder Schiggy — und wird beauftragt, den Pokédex zu füllen und die Region zu bereisen. Auch wenn der Charakter Ash Ketchum aus dem Anime zum verwechseln ähnlich ist, handelt es sich hier kanonisch um Red (Leaf in der weiblichen Version). Der in zukünftigen Spielen auch oft als ein legendärer Trainer meist namentlich hier und da mal erwähnt wird. Bei mir heißt er so wie ich.

    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition Nintendo Switch Nintendo Switch 2 Testbericht Test Review

    Der Enkel von Professor Eich verfolgt das gleiche Ziel und taucht als Rivale an jeder wichtigen Wegkreuzung auf. Doch ist das nicht Gary Eich, wie wir ihn kennen, sondern Blue. Das liegt daran, dass der Anime und die Spiele in unterschiedlichen Universen spielen und im Gerüst was miteinander zutun haben. Im Hintergrund operiert Team Rocket, eine kriminelle Organisation, die Pokémon aus Profitgier ausnutzt und entführt.

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    Die Erzählung bleibt schlicht und ist wie ich finde genug, um interessant zu sein, aber den Fokus auf das eigene Abenteuer zu legen. Knappe Dialoge in Textboxen, kurze Ingame-Szenen und Umgebungsstorytelling über NPCs und Levelaufbau tragen die Geschichte. Es gibt keine langen Cutscenes. Die Erzählung lässt der eigenen Fantasie Raum. Die Grundstimmung ist leichtfüßig und abenteuerlich, mit humorvollen Dialogen und schrägen Trainer-Typen. Gleichzeitig tauchen ernstere Untertöne auf: die Geistergeschichte im Pokémon-Turm von Lavandia oder die Ausbeutung von Pokémon durch Team Rocket geben dem ansonsten hellen Setting punktuell Gewicht.

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    Nach der Pokémon-Liga öffnen sich die Sevii-Eilande, ein Archipel mit eigenen Quests, einer zusätzlichen Team-Rocket-Storyline und legendären Pokémon. In der Switch-Version sind Event-Tickets für Ho-Oh, Lugia und Deoxys als reguläre Postgame-Inhalte zugänglich. Ohne reale Eventverteilung, wie es beim GBA-Original noch der Fall war. Das macht die Version für mich schon einmal deutlich besser, da ich damals mit meinem GBA SP darauf keinen Zugriff hatte.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition gehören für mich zu den besten Pokémon-Spielen überhaupt und stehen zusammen mit Pokémon Rubin und Saphir ganz weit oben. Dass man sie jetzt auf der Nintendo Switch und der Nintendo Switch 2 spielen kann, macht den Zugang so einfach wie nie. Es sind zeitlose Spiele und ein guter Einstieg in klassische Pokémon-Titel. Natürlich könnte man argumentieren, dass ein Release für Switch Online Abonnenten von Vorteil gewesen wären, aber so hat jeder dauerhaft Zugriff auf das Spiel, ohne ein Abo zu benötigen.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Gameplay und Kampfsystem

    Der Kern folgt der klassischen Pokémon-Schleife: auf Routen und in Dungeons laufen, Zufallskämpfe gegen wilde Pokémon und geplante Trainerkämpfe bestreiten, Pokémon fangen und trainieren, ein Team von bis zu sechs Pokémon zusammenstellen.

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    In Städten wird geheilt, eingekauft und neue Spielmechaniken wie Fahrrad, Angel oder VM-Fähigkeiten freigeschaltet. Arenaleiter herausfordern, Orden gewinnen, neue Gebiete erreichen. Der Loop funktioniert nach über 20 Jahren noch immer.

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    Das Kampfsystem ist rundenbasiert: Aus vier Attacken pro Pokémon wählt man und kombiniert Typvorteile und Statuseffekte. Arenaleiter fungieren als thematische Bosskämpfe mit jeweils einem Typ-Schwerpunkt und erzwingen gezielten Teambau. Die Top Vier plus der Rivale als Champ bilden den finalen Schwierigkeitsgipfel, der auch heute noch fordernd sein kann, besonders ohne überleveltes Team. Insgesamt kann es schon gut herausfordernd für junge Spieler und Leute sein, die nur die neueren Titel gespielt haben, aber für erfahrene Spieler, die sich selbst keine Einschränkungen setzen, natürlich viel zu einfach. Auch wenn natürlich ein höherer Schwierigkeitsgrad ganz nett gewesen wäre, macht das Spiel dennoch einfach nur Spaß und für Pokemon Fans ist gerade die Nostalgie und das Sammeln der Pokemon das wichtigste.

    Ein zentraler Punkt: Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition nutzen noch den alten Typ-basierten Physical/Special-Split. Ob eine Attacke physisch oder speziell ist, hängt ausschließlich vom Typ ab. Wasser ist immer speziell, Normal immer physisch. Das benachteiligt manche Pokémon spürbar. TMs sind Einmal-Items, was das Build-Management restriktiver macht. Der EP-Teiler existiert nur als einzelnes Item für ein Pokémon, nicht als globale Option wie in neueren Teilen.

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    Das bedeutet: Ein neues Teammitglied auf das Niveau des restlichen Teams zu bringen, erfordert deutlich mehr Aufwand. Für Spieler, die mit Pokémon ab Generation 4 eingestiegen sind, fühlt sich das wie ein Rückschritt an. Für Nostalgiker ist es genau das, was diese Spiele auszeichnet. Beispielsweise ist es relativ leicht in neueren Titeln einfach alle Pokemon im Team und dann weitere Teams hochzuleveln, während man hier wirklich in jedes Pokemon Zeit investieren muss.

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    Die Hauptkampagne dauert etwa 25 bis 35 Stunden, je nach Starter und Spielstil. Das Postgame mit den Sevii-Eilanden, zusätzlichen Quests und legendären Pokémon bringt weitere 15 bis 20 Stunden. Etwas, wovon viele Spieler bis heute nichts wissen, da man damals ohne Guide oft nicht bemerkt hat, dass es noch zusätzlichen Content gibt. Wer 100 Prozent anstrebt, also Nationaldex, alle Trainer, alle Gebiete, kann über 100 Stunden investieren.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Multiplayer und Online-Features

    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition unterstützen auf der Switch ausschließlich lokalen Multiplayer. Der Pokémon Wireless Club ersetzt das frühere Link-Kabel: Zwei bis fünf Spieler können vor Ort tauschen, kämpfen und über eine Chat-Funktion kommunizieren. Online-Multiplayer gibt es nicht. Weder für Tausch noch für Kämpfe. Das ist natürlich extrem Schade.

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    Pokémon HOME-Unterstützung ist offiziell angekündigt, zum aktuellen Stand aber noch nicht verfügbar. Damit sollen gefangene Pokémon in die Cloud-Infrastruktur übertragen werden können, was den Spielen eine Brücke zu modernen Pokémon-Titeln geben wird. Man kann also seine guten Pokemon aus Feuerrot und Blattgrün quasi zu Pokemon Home exportieren (jedoch nicht importieren) und dann in Spielen wie Pokemon Z-A, Pokemon Karmesin und Purpur und das kommende Pokemon Champions übertragen.

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    Der fehlende Online-Multiplayer fällt auf. Pokémon-Tausch und -Kämpfe wären prädestiniert für Online-Funktionen, und im Jahr 2026 ist die Beschränkung auf lokale Funkverbindung schwer zu rechtfertigen. Gerade weil Pokemon Home nur einseitig funktionieren wird, ist es schwierig ohne Partner den Pokedex zu füllen. Denn es ist auch nicht mehr so wie damals, dass alle Freunde das Spiel gleichzeitig spielen oder auch wirklich auf Dauer. Online ist es einfacher gleichgesinnte zu finden.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Grafik und Performance

    Die Switch-Versionen übernehmen die GBA-Pixelgrafik unverändert: 2D-Sprites mit kräftigen Farben und klarer Pixelästhetik, dargestellt im 4:3-Format mit schwarzen Rändern links und rechts. Es gibt keine Filter, keine Umschaltung des Bildformats und keine thematischen Rahmen. Die Darstellung ist scharf, auch auf dem Switch-2-Display, aber es fehlt jede Form von visueller Modernisierung.

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    Die Performance ist technisch trivial für die Hardware. Es gibt keine Slowdowns, keine Ladezeiten, keine Bugs. Gebietswechsel erfolgen sofort, was im Vergleich zu modernen 3D-Pokémon-Titeln positiv auffällt. Es handelt sich um einen 1:1-Port ohne Save States, Rewind- oder Fast-Forward-Funktionen. Also keine Virtual-Console-Plus-Fassung, sondern das GBA-Spiel direkt auf der Switch.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Musik und Sounddesign

    Der Original-GBA-Chiptune-Soundtrack ist unverändert übernommen. Die Routen-Themen, die Arena- und Champ-Musik und die Kampf-Tracks sind auch nach über 20 Jahren eingängig und funktionieren als emotionale Führung durch das Spiel. Musik wechselt situativ zwischen Overworld, Kämpfen und bedeutsamen Orten wie dem Pokémon-Turm von Lavandia.

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    Die Soundeffekte, wie Attacken, Treffer, Menü-Beeps, Pokémon-Schreie, stammen 1:1 aus den GBA-Versionen und verstärken die Retro-Atmosphäre. Es gibt keine Sprachausgabe. Alle Dialoge laufen über Textboxen. Die Textlokalisierung liegt unter anderem auf Deutsch vor, wobei die deutsche Version als eigener eShop-Eintrag gekauft werden muss. Es gibt keine In-Game-Sprachumschaltung. Darauf muss man unbedingt achten.

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition – Preis und Verfügbarkeit

    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition sind jeweils als separate digitale Downloads im Nintendo eShop erhältlich. Jede Edition kostet 19,99 €. Es gibt kein Bundle (wo ein Doppelpack mit 10 Euro Preisvorteil doch super gewesen wäre, gerade weil man das Spiel ja auch an die Familie digital verleihen kann). Physische Versionen existieren nur als Downloadcodes im Handel, nicht als klassische Module. Die Dateigröße liegt bei etwa 39 MB pro Version.

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    Jede Sprachfassung, also Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, ist ein eigenständiger eShop-Eintrag, was für den einen oder anderen doch verwirrend sein kann. Es gibt keine In-Game-Sprachumschaltung. Wer versehentlich die falsche Sprachversion kauft, muss den Nintendo-Support kontaktieren.

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    Preislich ist das ganze definitiv nicht günstig. Gerade weil hier gar nicht so viel gemacht wurde. Man kann es eben jedoch dadurch rechtfertigen, dass man die originale mittlerweile nur sehr teuer bekommt (ich bereue meine Version als Kind verkauft zu haben) und auch die Hardware kostet extra, wenn man keinen Gameboy Advance mehr hat (auch den Verkauf meines SP als Kind bereue ich sehr).

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    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition

    7.5

    Pokémon Feuerrote Edition und Pokémon Blattgrüne Edition sind zeitlose Pokémon-Spiele, deren Kern: Die Reise durch Kanto, das Sammeln und Trainieren, die Arenakämpfe und das Postgame auf den Sevii-Eilanden, nach über 20 Jahren noch immer funktioniert. Der Chiptune-Soundtrack ist eingängig, das Kampfsystem belohnt Planung und Typenwissen, und die Zugänglichkeit auf der Switch und Switch 2 macht den Einstieg so einfach wie nie. Dass der Port keinerlei Komfortfunktionen oder visuelle Modernisierungen mitbringt und der Preis pro Edition bei knapp 20 Euro liegt, ist der größte Kritikpunkt. Am Spiel selbst hat sich nichts geändert, und das ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche.

    Pro
    • Zeitloses Pokémon-Gameplay mit starkem Kampfsystem
    • Eingängiger, unveränderter GBA-Soundtrack
    • Umfangreiches Postgame mit Sevii-Eilanden und legendären Pokémon
    • Event-Pokémon wie Ho-Oh, Lugia und Deoxys ohne reale Events erreichbar
    • Perfekte Performance ohne Ladezeiten
    • Guter Einstieg in klassische Pokémon-Spiele
    Kontra
    • Kein Online-Multiplayer, nur lokale Funkverbindung
    • 19,99 € pro Edition ohne Bundle-Option und Sprachversionen als separate Käufe ohne In-Game-Umschaltung
    • Keine Save States, kein Fast Forward etc.
    Ümit Memisoglu
    Gründer und Chefredakteur von Umihito.de. Foodvlogger, Technikblogger und Ingenieur.

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