Tales of Berseria Remastered bringt das 2017 erschienene Action-JRPG von Bandai Namco auf die Nintendo Switch und damit auch auf die Switch 2 per Abwärtskompatibilität. Im Zentrum steht Velvet Crowe, deren Rachedrama einen der düstersten und erzählerisch stärksten Einträge der Tales-Reihe trägt. Gerade Neueinsteiger wie ich, der über aktuellere Titel wie Tales of Arise in die Serie eingestiegen ist, bekommt hier ein inhaltlich dichtes JRPG mit über 40 Stunden richtig guter Hauptstory, zahlreichen Komfort-Verbesserungen und einem Kampfsystem, das trotz seines Alters erstaunlich viel Spaß macht.

Tales of Berseria Remastered – Story und Atmosphäre
Velvet lebt zu Beginn mit ihrem jüngeren Bruder Laphicet und ihrem Schwager Artorius in einem abgelegenen Dorf, bis eine katastrophale Nacht alles verändert. Artorius opfert Laphicet in einem Ritual, Velvet wird zur dämonischen Therion transformiert und landet für drei Jahre im Gefängnis. Nach ihrer Flucht treibt sie nur ein Ziel an: Rache an Artorius und dem Orden der Abbey, der unter dem Deckmantel der Ordnung jede freie Emotion aus der Welt tilgen will.

Die Erzählung ist deutlich düsterer als in den meisten Tales-Teilen. Opferung, religiöser Fanatismus und moralische Grauzonen ziehen sich durch die gesamte Handlung, und Velvet ist keine strahlende Heldin, sondern eine gebrochene, wütende Antiheldin, die bereitwillig die Rolle der Schurkin übernimmt. Gerade dieser Kontrast zu Tales of Arise fällt sofort auf: Wo Arise mit Alphen und Shionne eine Heldenreise erzählt, die auf Hoffnung setzt, lebt Berseria von Wut, Verlust und der Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Die Crew, die sich um Velvet sammelt, gehört zu den stärksten Ensembles der Reihe. Der Piraten-Malak Eizen, die überdrehte Hexe Magilou, der kampfbesessene Daemon-Samurai Rokurou und die zunächst feindliche Exorzistin Eleanor bringen jeweils eigene Konflikte mit, die sich über zahlreiche Skits und Nebenszenen entfalten.

Diese Skits, also kurze Gespräche mit Charakter-Portraits, liefern Humor, Tiefe und laufende Running Gags, etwa um Velvets unstillbaren Appetit, und sorgen dafür, dass die schwere Haupthandlung nie erdrückend wirkt.

Die Inszenierung setzt auf eine Mischung aus In-Engine-Dialogen, aufwendigen Anime-Sequenzen von Ufotable und Umweltstorytelling über Propaganda-Plakate und verwüstete Gebiete. Das Remaster ändert an der Erzählstruktur nichts, verkürzt aber durch neue Zielmarkierungen die Suchphasen zwischen Storymomenten, sodass der Erzählfluss spürbar weniger ins Stocken gerät.
Tales of Berseria Remastered – Gameplay und Kampfsystem
Der Spielalltag folgt einem klassischen JRPG-Rhythmus: Von einer Stadt oder dem Piratenschiff Van Eltia aus nimmt man ein Storyziel an, reist über Feldkarten und Dungeons dorthin, kämpft unterwegs gegen Gegner, sammelt Materialien und Katz-Spirits und erreicht schließlich eine Cutscene oder einen Bosskampf. Dazwischen verteilt man Erfahrungspunkte, rüstet neue Waffen aus und schaut sich Skits an, die auf jüngste Ereignisse reagieren.

Das Kampfsystem trägt den Namen Liberation Linear Motion Battle System und spielt sich in abgetrennten Arenen. Velvet und bis zu drei weitere Partymitglieder bewegen sich frei, und auf jede der vier Face-Tasten lässt sich ein Arte legen, das in Komboketten aneinandergehängt wird.

Wie lange eine Combo dauern darf, bestimmt die Soul Gauge: Jede Figur besitzt bis zu fünf Souls, die bei Angriffen verbraucht und durch erfolgreiche Treffer von Gegnern zurückgestohlen werden. Gegner können im Gegenzug ebenfalls Souls stehlen, was Kämpfe dynamisch hält.

Die zentrale Mechanik ist Break Soul. Sie verbraucht eine Soul, sprengt die Combo-Obergrenze und löst eine charakterspezifische Spezialaktion aus. Bei Velvet verwandelt sich ihr Dämonenarm, was hohe Schadensspitzen und kurzzeitige Unverwundbarkeit bringt.

Dazu kommt die Blast Gauge für Mystic Artes und Switch Blasts, bei denen ein Charakterwechsel mitten im Kampf mit einem Sofortangriff verbunden ist. All das zusammen ergibt ein System, das auf niedrigen Schwierigkeitsgraden auch mit einfachem Tastendruck funktioniert, auf höheren Stufen aber Ressourcenmanagement und Teamwechsel verlangt.

In der Praxis hat das Kampfsystem allerdings ein spürbares Balanceproblem: Velvet ist durch permanentes Break-Soul-Looping selbst auf hohen Schwierigkeitsgraden so dominant, dass andere Partymitglieder spielmechanisch in den Hintergrund rücken. Wer aus Tales of Arise kommt, wo die gesamte Party aktiv eingebunden wird, merkt den Unterschied. Der Anreiz, andere Figuren manuell zu steuern, bleibt gering, obwohl jede von ihnen einen eigenen, durchaus interessanten Spielstil mitbringt.

Abseits der Kämpfe sorgen ein Kochsystem mit charakterspezifischen Rezepten und Buffs, Piratenexpeditionen für Hintergrund-Loot und der von Beginn an verfügbare Grade-Shop für Anpassungsmöglichkeiten, die besonders im New Game+ relevant werden.
Die Dungeons selbst sind funktional, aber visuell und strukturell eher schlicht: einfache Schalter- und Blockrätsel in geradlinigen Gängen, die im Mittelteil des Spiels auffällig hinter der Qualität der Story zurückbleiben. Das Remaster mildert das durch eine früher verfügbare Schnellreise und das Geoboard, ein Hoverboard für schnellere Fortbewegung, immerhin etwas ab.

Die Spielzeit liegt bei rund 45 Stunden für die Hauptstory. Wer Nebenquests, optionale Code-Red-Daemons und Sammelinhalte mitnimmt, landet bei 60 bis 80 Stunden. Komplettisten können weit über 120 Stunden investieren.
Tales of Berseria Remastered – Multiplayer und Online-Features
Tales of Berseria Remastered bietet einen lokalen Koop-Modus für bis zu vier Spieler, der ausschließlich in Kämpfen aktiv wird. Jeder Mitspieler übernimmt einen Partycharakter, während Erkundung und Storyszenen vom ersten Spieler gesteuert werden. Das funktioniert am besten bei Bosskämpfen, wo koordinierte Break-Soul-Nutzung und gezielte Charakterwechsel tatsächlich Vorteile bringen. Fortschritte bleiben an das lokale Savegame gebunden, separate Profile für Mitspieler gibt es nicht.

Tales of Berseria Remastered – Grafik und Performance
Der Anime-Look mit Cel-Shading-Elementen wirkt auf der Switch im Handheld-Modus der Switch 2 durchaus ansprechend, besonders in Cutscenes und Nahaufnahmen der Charaktere. Die Designs von Mutsumi Inomata und die Ufotable-Anime-Sequenzen tragen die visuelle Identität, und im direkten Gespräch zwischen den Figuren stimmt die Präsentation.
Im Docked-Modus auf dem großen Bildschirm fallen die technischen Abstriche allerdings deutlicher auf. Das Spiel läuft auf der Switch mit einer Zielauflösung von 1080p im Dock und 720p im Handheld, jeweils bei einem festen 30-fps-Cap. Das merkt man schon, besonders in hektischen Kämpfen. Hier schauen sich die Entwickler wohl Möglichkeiten an 60 FPS auf der Nintendo Switch 2 zu ermöglichen. Das würde das Spiel nochmal deutlich attraktiver machen.

Dazu kommen sichtbares Flimmern bei Schatten und entfernten Objekten, schwache Texturfilterung und ein aggressives LOD-Culling, das Animationen weiter entfernter Figuren merklich abschneidet. Spielerisch stört das aber nicht wirklich und fällt gar nicht so sehr auf. Gerade weil es sich hier um ein einfaches Remaster handelt und kein neues Remake.

Die Switch 2 verbessert über die Abwärtskompatibilität primär die Ladezeiten: Rund 12 Sekunden vom Dashboard zum Titelbildschirm statt etwa 17 bis 18 Sekunden auf der Switch 1, und Speicherstände laden in zwei bis drei statt fünf Sekunden. An Framerate, Auflösung oder Bildqualität ändert sich dagegen nichts. Die neue systemweite Docked-Abwärtskompatibilität der Nintendo Switch 2 mit dem aktuellsten Update macht hier den größten Unterschied.

Als kleiner Komfortgewinn gegenüber der PS4-Originalfassung sind Screenshots und Videocapture auf der Switch zumindest in den frühen Spielstunden nicht global blockiert, was das Festhalten von Momenten erleichtert.

Tales of Berseria Remastered – Musik und Sounddesign
Motoi Sakuraba liefert einen Soundtrack, der das typische Tales-Spektrum abdeckt: Epische Kampfstücke, düstere Chorpassagen und melancholische Piano-Themen wechseln sich kontextsensitiv zwischen Erkundung, Kampf und Storysequenzen ab. Die Boss-Themes gehören zu den stärksten Stücken, und das Opening bleibt auch im Remaster erhalten.

Das Battle-BGM-Pack der Deluxe Edition erlaubt es, Kampfmusik aus älteren Tales-Teilen auszuwählen und direkt in den Optionen umzuschalten. Ein nettes Feature für Fans der Reihe, das den Kämpfen je nach persönlichem Geschmack eine andere Stimmung gibt.

Die Soundeffekte sind klar und geben direktes Feedback: Treffer, Spell-Effekte und Break-Soul-Aktivierungen klingen prägnant. Die Kampfsounds fallen allerdings teils recht laut aus, was sich über die separaten Lautstärkeregler für Musik, Effekte und Sprache aber gut anpassen lässt.

Die Sprachausgabe steht auf Japanisch und Englisch zur Verfügung und lässt sich jederzeit im Menü umschalten. Beide Fassungen werden in Reviews durchgehend positiv bewertet, besonders Velvets Darstellung als gebrochene, wütende Protagonistin überzeugt in beiden Sprachen.

Tales of Berseria Remastered – Preis und Verfügbarkeit
Tales of Berseria Remastered kostet als Standard Edition im deutschen Nintendo eShop 39,99 €. Physische Boxversionen bekommt man auch bei Händlern wie Amazon für denselben Preis [Amazon-Werbelink | Affiliate].

Die Digital Deluxe Edition mit Battle-BGM-Pack, digitalem Artbook, Soundtrack und einem Stat-Boost-Kräuterset liegt bei 59,99 €. Wer die Standard Edition bereits besitzt, kann das Battle-BGM-Pack und mehr nachkaufen. Zusätzlich gibt es optionale Level-Up-DLCs für rund 1,99 € und 2,99 €, die Stufensprünge für die Gruppe ermöglichen (5 oder 10 Level). Da das maximale Level bei 200 liegt, ist das überwiegend für Leute interessant, die ihre letzten Level im Endgame schneller erreichen wollen. Grundsätzlich ist kein Grind notwendig, daher ist das quasi eher als eine eine Komfortfunktion zum Zeitsparen im Endgame zu sehen.

Im Grundspiel und in der Deluxe Edition sind über 70 DLC-Inhalte aus der Originalfassung enthalten, darunter Kostüme, Frisuren-Sets und Item-Pakete, die über das Menü aktiviert werden können.
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