Die VITURE Beast ist eine XR-Brille, die per USB-C an Smartphone, Handheld, Notebook oder Konsole angeschlossen wird und ein virtuelles Display ins Sichtfeld projiziert. Zwei Micro-OLED-Panels von Sony erzeugen ein Bild mit 1920 x 1200 Pixeln pro Auge bei bis zu 120 Hz, das bei 58 Grad Sichtfeld wie ein 174 Zoll großer Bildschirm in rund vier Metern Entfernung wirkt. Anders als in der Luma-Serie sitzt in der VITURE Beast ein eigener Chip für Headtracking und Bildsteuerung, sodass sich Bildgröße, Position, Abdunklung und Farbprofil ohne App direkt an der Brille einstellen lassen. Im Test erzählen wir euch mehr dazu.

VITURE Beast – Lieferumfang, Design und Funktionalität
Im Karton liegen die Brille, eine Fassung für Korrektionsgläser ohne Gläser, vier austauschbare Nasenpads in den Größen 0 bis 3, ein 1,2 Meter langes USB-C-Kabel, ein Hartschalenetui, ein Mikrofasertuch, eine Schnellstartanleitung und die Sicherheitshinweise.
Ein Netzteil fehlt, weil die Brille ihren Strom vollständig aus dem angeschlossenen Gerät zieht. Das Etui hat ein separates Fach für das Kabel, sodass der Metallstecker beim Transport nicht auf den Gläsern liegt.
Der Rahmen besteht aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, ist in Jet Black gehalten und wiegt 88 Gramm. Zusammengeklappt misst die VITURE Beast etwa 155 x 50 x 56,5 Millimeter und passt damit in jede Notebooktasche.

Die Bügel lassen sich in drei Stufen im Winkel verstellen und bleiben dabei fest in ihrer Position, auch nach dem Verstauen im Etui. Zusammen mit den vier Nasenpads und den zwei IPD-Größen ergeben sich genug Kombinationen, um die Optik vor den Augen zu zentrieren.

Der Anschluss sitzt am rechten Bügel und ist eine gewöhnliche USB-C-Buchse. Frühere VITURE-Modelle nutzten einen magnetischen Spezialstecker, der bei Kabelschaden nur über den Hersteller zu ersetzen war. Ein beschädigtes Kabel lässt sich hier durch ein beliebiges USB-C-Kabel mit DisplayPort-Unterstützung tauschen.
Bedient wird die VITURE Beast über zwei Tasteneinheiten, jeweils eine Aktionstaste und eine Wippe pro Bügel. Links regelt die Wippe Helligkeit und Lautstärke, ein Tastendruck schaltet zwischen beiden um. Ein langer Druck auf die obere Wippenseite aktiviert den 32:9-Modus, ein langer Druck auf die untere schaltet das Bild ab und lässt den Ton weiterlaufen. Ein Doppeltipp auf die linke Aktionstaste verkleinert das Bild und schiebt es an den Rand des Sichtfelds. Rechts wechselt die Aktionstaste zwischen Anchor, Smooth Follow und 0DoF, ein langer Druck zentriert das Bild neu, ein Doppeltipp schaltet zwischen 2D und 3D. Die rechte Wippe steuert die neunstufige Abdunklung, in Kombination mit einem langen Tastendruck außerdem Bildgröße und virtuelle Bilddistanz.
Über ein eingeblendetes Menü sind Bildwiederholrate, Farbprofil, Auto-Transparenz, Auto-Abschaltung, Sprache und die Belegung der Doppeltipps erreichbar. Eine Trageerkennung schaltet das Bild ab, sobald die Brille abgesetzt wird. Im Betrieb erwärmt sich die Oberseite des Rahmens leicht, an der Haut ist davon nichts zu spüren, weil die warme Zone oberhalb der Schläfen liegt. VITURE nennt drei bis vier Stunden als empfohlene Tragedauer am Stück. Ich würde es auch nicht viel länger als das Tragen, um den Augen auch etwas Ruhe zu gönnen.
Eine Dioptrienkorrektur im Rahmen hat die VITURE Beast nicht, anders als die Luma-Modelle mit ihren Stellrädern. Kurzsichtige brauchen Kontaktlinsen oder Gläser in der beiliegenden Fassung. Die Fassung wird mechanisch im Bereich der Nasenbrücke eingesetzt und vom Nasenpad fixiert, nicht mehr magnetisch wie früher. Das kostet Flexibilität, wenn sich mehrere Personen eine Brille teilen, hält die Gläser dafür ohne Wackeln an ihrem Platz.

VITURE Beast – Kompatibilität, Software, App
Voraussetzung ist ein USB-C-Anschluss mit DisplayPort Alt Mode. Steam Deck, Steam Deck OLED, ROG Ally X, ROG Xbox Ally, Legion Go 2, MSI Claw 8 AI+, GPD Win 4, AYANEO- und AYN-Handhelds werden direkt mit dem beiliegenden Kabel verbunden und ohne weitere Einstellungen als externes Display erkannt. Gleiches gilt für Android-Smartphones mit Videoausgang, für iPhone 15, iPhone 16 und iPhone 17, für iPads mit USB-C sowie für MacBooks und Windows-Notebooks. Auf Samsung-Geräten arbeitet die Brille als DeX-Bildschirm und zeigt einen vollwertigen Desktop mit Fenstern.

Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 brauchen zusätzliche Hardware, entweder das VITURE Pro Mobile Dock, das VITURE Mobile Dock Mini oder den USB-C XR Ladeadapter Ultra. PlayStation 5, Xbox und andere HDMI-Quellen laufen ausschließlich über das VITURE Pro Mobile Dock. Das ist keine Eigenheit dieser Brille, sondern gilt für alle XR-Brillen dieser Bauart, weil die Konsolen kein Videosignal über USB-C ausgeben.

Wer bereits VITURE-Zubehör besitzt, sollte die Kompatibilitätsliste prüfen. Das ältere One Mobile Dock, der USB-C XR Ladeadapter Pro und der HDMI XR Adapter arbeiten nicht mit der VITURE Beast zusammen. Für die Verbindung zum VITURE Pro Neckband wird ein Adapter von Magnetstecker auf USB-C benötigt, der dem Neckband derzeit beiliegt.
Die Grundfunktion als Display läuft ohne Software, ohne Konto und ohne Internetverbindung. Headtracking, Ankermodus, Bildgröße, 32:9-Modus und die native 3D-Wiedergabe von Side-by-Side-Material stecken in der Firmware der Brille. Die App SpaceWalker kommt erst ins Spiel, wenn mehrere virtuelle Bildschirme oder die 3D-Konvertierung gefragt sind. Unter iOS ist für den vollen Funktionsumfang zusätzlich der USB-C XR Ladeadapter Ultra oder das VITURE Mobile Dock Mini nötig.

VITURE Beast – Projektion und Bildqualität
Vorab wichtig: Es ist extrem schwer Bilder von der Projektion zu machen. Die Bilder hier sind nur demonstrativ. Die Qualität, Schärfe etc. ist wesentlich besser als auf den Fotos.
Die VITURE Beast verwendet flache Prismenoptiken statt der Birdbath-Konstruktion früherer Modelle. Dadurch wächst das Sichtfeld auf 58 Grad, gegenüber 52 Grad bei der VITURE Luma Ultra. Der Unterschied fällt sofort auf: Die Bildfläche reicht spürbar weiter in die Peripherie, und der Eindruck einer Leinwand vor einem statt eines Fernsehers auf der anderen Seite des Raums stellt sich schneller ein.

Die Sony-Panels liefern echtes Schwarz und einen Kontrast, an den kein LCD-Handheld herankommt. Farben wirken ab Werk kräftig ohne Übersättigung, und über das Menü stehen mehrere Profile bereit. Für feine Anpassungen bietet VITURE zusätzlich ein browserbasiertes Werkzeug zur Farbkalibrierung an. Mit bis zu 1250 Nits bleibt das Bild auch in hellen Räumen und im Freien lesbar, in Kombination mit der Abdunklung sogar bei direkter Sonne.

In der Bildmitte ist die Darstellung sehr scharf, Schrift ist bei 1200p sauber ausgeprägt und Spiele wirken plastisch. Zu den Rändern und in die Ecken hin nimmt die Schärfe ab, dazu treten dort Farbsäume auf, die vor allem auf weißen Flächen sichtbar werden. Beim Filmschauen und Spielen fällt das kaum ins Gewicht, weil die relevanten Bildinhalte mittig liegen. Wer stundenlang Text liest oder programmiert, merkt es dagegen deutlich, und HUD-Elemente in den Ecken von Spielen sind weniger gut abzulesen als in der Mitte. Bei sehr großer Bildeinstellung und im 32:9-Modus zeigt sich zusätzlich eine leichte Kissenverzeichnung an den Seiten, die bei Kopfbewegungen als gekrümmter Schatten wahrnehmbar ist.

Die elektrochrome Folie dunkelt in neun Stufen ab, von 40 bis 0,5 Prozent Transmission, und schaltet dabei nahezu verzögerungsfrei. Die Auto-Transparenz klart die Gläser auf, sobald der Blick nach unten geht, was den Griff zur Tastatur oder zum Controller ohne Absetzen der Brille erlaubt. Gleichmäßig fällt die Abdunklung nicht aus: Bei direkter Sonneneinstrahlung sind Helligkeitsunterschiede über die Glasfläche erkennbar, die auf den Luma-Modellen so nicht auftreten. Für vollständige Abschottung gibt es eine aufsteckbare Blende als Zubehör.

Das Headtracking arbeitet über einen eigenen Chip in der Brille. Im Ankermodus bleibt das Bild im Raum stehen, Smooth Follow lässt es verzögert nachziehen, im 0DoF-Modus bleibt es starr vor den Augen. Der Anker hält über lange Sitzungen stabil, ein leichtes Wandern lässt sich beheben, indem die Brille für zehn Sekunden auf eine ebene Fläche gelegt und der Sensor neu kalibriert wird. Bildgröße und Bilddistanz sind in mehreren Stufen einstellbar, was gegenüber Brillen ohne eigenen Chip den größten praktischen Unterschied macht: Wer das Bild bei 174 Zoll als zu groß empfindet, verkleinert es auf ein angenehmes Maß, statt sich mit einer festen Vorgabe abzufinden.

VITURE Beast – App und Software
SpaceWalker steht kostenlos für iOS, Android, macOS und Windows bereit. Am meisten holt die App auf dem Rechner heraus. Sie nutzt den nativen 32:9-Modus der Brille als Grundfläche und legt darauf zwei oder drei virtuelle Bildschirme in vier verschiedenen Anordnungen, jeweils mit 1200p bei 60 oder 120 Hz. Unter macOS arbeitet die Brille dabei ausschließlich als erweiterter Desktop, unter Windows ist zusätzlich Spiegeln möglich, allerdings nur im Einzelbildschirmbetrieb. Für unterwegs entsteht so ein Arbeitsplatz mit Editor, Browser und Kommunikations-App nebeneinander, für den sonst ein zweiter Monitor nötig wäre.

Auf Android und iOS bringt SpaceWalker den Pin-Modus, einen Ambient-Modus, ein Trackpad mit Laserpointer, einen eigenen Browser und die Fotogalerie mit. VR-Videos werden nicht unterstützt, die Brille bleibt ein Display für flache und stereoskopische Inhalte.
Immersive 3D wandelt 2D-Videos und Spiele in Echtzeit in ein stereoskopisches Bild um. Auf Android läuft die Funktion direkt, unter iOS erst mit dem USB-D XR Ladeadapter Ultra. Sie greift nicht systemweit, sondern nur in unterstützten Anwendungen, und die Ergebnisse hängen stark vom Material ab. Ruhige Aufnahmen mit klaren Tiefenebenen gewinnen sichtbar, schnelle Schnittfolgen weniger. Native 3D-Inhalte im Side-by-Side-Format braucht dagegen keine App, dafür genügt der Doppeltipp auf die rechte Bügeltaste.

Firmware-Updates laufen über ein Browser-Werkzeug am PC oder Mac. Nach jedem Update empfiehlt sich eine Neukalibrierung des Bewegungssensors. Ein 6DoF-Betrieb über die Frontkamera ist von VITURE angekündigt, steht aber nicht zur Verfügung. Wer räumliches Tracking mit Handerkennung will, ist bei der VITURE Luma Ultra besser aufgehoben.
VITURE Beast – Audio
Vier von HARMAN abgestimmte Lautsprecher sitzen in den Bügeln, dazu kommt ein Mikrofon für Sprachchat und Telefonate. Der Klang ist für ein offenes System überraschend voll, Stimmen sind klar verständlich und die Bühne breit genug, dass sich ein Film ohne Kopfhörer ansehen lässt. Tiefe Bässe kann die Konstruktion nicht liefern, die Grundfrequenz liegt bei etwa 250 Hertz. Über neun Stufen lässt sich die Klangabstimmung anpassen, dazu kommt eine räumliche Wiedergabe, die den Ton an die verankerte Bildposition koppelt.

Nach außen strahlt der Ton hörbar ab. In einem stillen Zimmer bekommt eine Person daneben mit, was läuft, und im Zug oder Flugzeug reicht die Maximallautstärke nicht aus, ohne die Umgebung zu beschallen. Das betrifft alle XR-Brillen mit offenen Lautsprechern gleichermaßen. Für unterwegs sind Kopfhörer die bessere Wahl, die dann allerdings mit dem Zuspielgerät gekoppelt werden, weil die Brille selbst kein Betriebssystem und keine Bluetooth-Verbindung hat. Praktisch ist die Möglichkeit, per langem Tastendruck nur das Bild abzuschalten und den Ton weiterlaufen zu lassen, etwa bei Podcasts oder Musik.
VITURE Beast – Zubehör
Das VITURE Pro Mobile Dock hatte ich bereits mit der VITURE Luma Ultra ausführlich im Einsatz, und es bleibt auch mit der VITURE Beast das wichtigste Teil des Ökosystems. Das handtellergroße Gerät hat einen HDMI-Eingang, einen USB-C-Eingang und zwei USB-C-Ausgänge für zwei Brillen gleichzeitig, dazu einen Akku, der die Nintendo Switch 2 über mehrere Stunden versorgt, während die Brille daran läuft. Für die Konsole simuliert das Dock den Docked-Modus, Spiele laufen also in der TV-Auflösung und nicht im Handheld-Bild. An der VITURE Beast gibt das Dock 3D-Inhalte im Side-by-Side-Format mit 60 Hz aus, 2D-Material mit bis zu 120 Hz. Bei HDMI-Konsolen wie PlayStation 5 und Xbox bleibt es allerdings bei 60 Hz. Passend dazu gibt es Halterungen, die das Dock an der Rückseite der Nintendo Switch 2 fixieren, wodurch ein kompaktes Paket für den Rucksack entsteht.
Das VITURE Mobile Dock Mini ist die kleinere Lösung für Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 und liefert 1080p bei 60 Hz an die Konsole, an Smartphone und PC 1080p bei 120 Hz. Der USB-C XR Ladeadapter Ultra schleift Strom durch, während die Brille läuft, und schaltet auf iOS die vollen SpaceWalker-Funktionen samt automatischem 3D-Wechsel frei. Der ältere Ladeadapter Pro arbeitet nicht mit der VITURE Beast zusammen.
Das VITURE Pro Neckband ist ein eigenständiges Android-Gerät für den Nacken mit 3280-mAh-Akku, Wi-Fi 6E und Handgestensteuerung, das die Brille vom Smartphone unabhängig macht. Im Test mit der VITURE Luma Ultra war es das Zubehör mit dem größten Reiz und zugleich mit den meisten Ecken: Viele Funktionen sind auf einzelne Anwendungen beschränkt oder tief im Menü versteckt. An der VITURE Beast läuft es im Android-Modus mit bis zu 1200p und 120 Hz, im SpaceWalker-Modus mit 1200p bei 90 Hz, jeweils mit Headtracking. Wer regelmäßig Cloud-Gaming oder Remote Play nutzt, bekommt damit ein Setup, das ohne Handheld und ohne Handy auskommt.

Bei den Controllern hatte ich mit der VITURE Luma Ultra den VITURE x 8BitDo Ultimate 2C in beiden Varianten und den VITURE x 8BitDo Ultimate Mobile Gaming Controller im Einsatz. Der Ultimate 2C ist mit Hall-Effect-Sticks und Triggern ausgestattet und in einer Xbox-Version mit ABXY-Belegung sowie einer Nintendo-Version mit umgekehrter Tastenanordnung erhältlich. Der Ultimate Mobile Gaming Controller klemmt das Smartphone zwischen zwei ausziehbare Griffe und verbindet sich per USB-C. Beide passen unverändert zur VITURE Beast.

Dazu kommen die Sehstärken-Fassung mit eingesetzten Gläsern und eine Sonnen-Cliplinse, die vorn aufgesteckt wird und Restlicht vollständig blockt.
VITURE Beast – Preis und Verfügbarkeit
Im offiziellen VITURE-Shop kostet die VITURE Beast 481 Euro. Sie ist in der Farbe Jet Black und in zwei Baugrößen erhältlich, Standard für einen Pupillenabstand von 64,0 ± 6,0 Millimetern und Groß für 68,0 ± 6,0 Millimeter. Beide Größen teilen sich Technik und Funktionsumfang und kosten dasselbe.

Beim Zubehör liegt die Sonnen-Cliplinse bei 16 Euro, die Sehstärken-Fassung mit Linsen bei 69 Euro, der VITURE x 8BitDo Ultimate Mobile Gaming Controller ebenfalls bei 69 Euro, der USB-C XR Ladeadapter Ultra bei 78 Euro, das VITURE Mobile Dock Mini bei 86 Euro, das VITURE Pro Mobile Dock bei 113 Euro und das VITURE Pro Neckband bei 349 Euro. Wer die Brille an Nintendo Switch 2, PlayStation 5 oder Xbox nutzen will, sollte eines der Docks von vornherein einplanen.



























