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    In diesem Test schaue ich mir das Loupedeck CT an. Die Spezialtastatur des finnischen Herstellers soll gerade professionelle Anwender kreativer Branchen bei Ihrer Arbeit unterstützen und den Workflow dank programmierbarem Touch-Display, Tasten und Reglern vereinfachen. Egal ob Video- oder Bildbearbeitung, Musikproduktion oder Streaming. Wie gut das gelingt, erzähle ich euch hier.

    Loupedeck CT – Lieferumfang und Design

    In der Box befindet sich neben dem Loupedeck CT, ein Quick Start Guide, ein USB-C zu USB-C Kabel und ein USB-C zu USB-A Adapter, für den Fall, dass man keinen USB-C Anschluss am PC hat oder schon alle besetzt sind. Das Kabel selbst ist 1m lang und ist etwas dicker als normale Kabel, da es mit einem Gewebe ummantelt verstärkt ist. Grundsätzlich funktioniert das Loupedeck CT aber mit jedem USB-C Kabel.

    Loupedeck CT

    Das Loupedeck CT selbst besteht überwiegend aus Kunststoff, fühlt sich aber wertig an und kommt wegen der Technik im Inneren mit einem ordentlichen Gewicht von 365 g. Die Gummifüße am Boden halten das Loupedeck CT sicher am Platz ohne den Tisch zu beschädigen. Vom Design her ist die Loupedeck CT ziemlich flach und passt gut in das Setup, wobei die Option auf andere Farben das ganze nochmal attaktiver machen könnte. Die Abmessungen betragen 15 x 16 cm bei einer Höhe von maximal 3 cm, wenn man die Regler mit dazuzählt. Ohne diese kommt die Basiseinheit auf rund 1-1,5 cm, da sie nach hinten hin dicker wird. Hinten findet sich auch der USB-C Anschluss, der das Loupedeck CT mit Strom versorgt und mit dem PC verbindet. Übrigens kommt das Loupedeck CT auch mit Bluetooth 5.0, also direkt mit dem aktuellen Standard. Laut Anleitung und dem dazugehörigen Programm wird die dafür geplante Funktionalität mit einem Update nachgeliefert. Was das genau mit sich bringen wird ist mir zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Vermutlich wird man damit Bluetooth-Gerätschaften steuern können.

    Loupedeck CT – Bedienung

    Auf der Oberfläche des Loupedeck CT befinden sich die unterschiedlichen Steuermöglichkeiten mit denen man sich erstmal vertraut machen muss. Oben links und rechts haben wir Regler, die sich stufenweise, etwa wie ein Mausrad, drehen lassen und in ihrer Drehung auch nicht beschränkt sind. Das heißt, dass sie sich die Regler unendlich in jede Richtung drehen lassen. Dabei sind sie super responsiv, sodass Drehungen sofort in Befehle umgesetzt werden, etwa beim Regeln der Lautstärke. Die Regler lassen sich zudem auch Klicken, sodass man jedem der sechs oberen Regler jeweils zwei Aktionen zuweisen kann, womit man auf 16 Aktionen kommt. Laut Loupedeck kann man wohl unendlich viele Decks einstellen, aber bei mir gingen quasi zweimal acht, also 16 Decks. Somit kämen wir auf 256 Aktionen für das gerade genutzte Programm. Selbst wenn es nicht unendlich sein sollten, ist das mehr, als ich im Leben brauchen würde.

    Je nachdem, welchen Befehl Ihr eingefügt habt, wird der vertikale einfarbige Display-Streifen entsprechend beschriftet, bzw. wird ein passendes Symbol eingeblendet. Wenn ganz oben links etwa die Lautstärke regelt, wird ein Lautsprechersymbol angezeigt. Wenn es kein Symbol gibt, wird der Name der Aktion gezeigt. Diese Streifen zeigen aber nicht nur die Zuweisung der Regler an, sondern sind kapazitiv touchempfindlich für doppeltes Tippen. Es wird hier aber nur, soweit der aktuelle Stand, die Klickfunktion der Regler übernommen, etwa doppeltes Tippen für das Stummschalten in dem oberen Beispiel.

    Loupedeck CT

    Mit jedem Deck habt Ihr natürlich auch jeweils 12 quadratische Touchdisplay-Pads, denen man je Seite neue Aktionen zuweisen kann. Wenn man also von 16 Decks ausgeht, hat man hier 192 Aktionen. Diese Touchpads sind auch kapazitiv und geben euch Feedback in Form von Vibration. Die Vibration kann aber auch in der Software komplett deaktiviert werden. Abhängig davon, was ihr hier einstellt, werden passende Symbole angezeigt. Da es ein Farbdisplay ist, kann es auch unterschiedliche Symbole abbilden, weshalb auch etwa das Premiere Icon abgebildet wird. Falls mal kein Icon verfügbar ist, wird Text eingeblendet. Je nachdem was für eine Aktion zugewiesen ist, sind die Farben auch anders. Extrem schade finde ich, dass es (zumindest noch) keine Möglichkeit gibt eigene Symbole einzufügen. Man denke etwa an das Elgato Streamdeck, wo jedes kleine Display anpassbar und personalisierbar ist. Das ist zwar nur ein Gimmick, aber für die Personalisierung des Loupedeck CT wäre das ein top Feature und würde es zudem einfach attraktiver und spaßiger machen.

    Loupedeck CT

    Als nächstes komme ich zu den runden Tasten, die mit 1 bis 8 beschriftet sind. Grundsätzlich ist die Funktion erstmal durch verschiedene Decks zu wechseln, also zwischen Deck 1 bis 8. Aktiviert ihr die „Fn“-Taste habt Ihr noch 8 weitere Decks zur Verfügung. Ansonsten könnt Ihr auch die Tastatur-Taste aktivieren, wodurch Ihr Zugriff auf einige Keyboard-Tasten wie Tabulator, Shift, Steuerung, Alt etc. Also das, was darunter beschriftet ist. Drückt Ihr jetzt nochmal die FN Taste, werden die Tasten 1 bis 8 zu FN Tasten. Ja, das ist sehr viel, wo man sich einarbeiten muss, aber wenn man einmal drin ist und ein wenig damit arbeitet, wird das mit der Zeit einfacher. Auch weil die Anleitungen zum Loupedeck CT einfach verständlich und übersichtlich sind. Auch auf Deutsch, auch wenn die Software nur auf Englisch ist.

    Loupedeck CT

    Die eckigen Tasten sind mechanische Keyboard-Tasten, die genau das tun, was darauf steht, wobei man sieben der 12 Tasten auch wieder eigene Aktionen zuweisen kann. Mit der FN-Taste kommt Ihr dann insgesamt auf 14 Aktionen oder Eingaben.

    Als letztes haben wir noch das große Drehrad. Dieses dreht sich komplett frei, also auch ohne stufenweise Feedback zu geben, was dazu führt, dass man damit manchmal etwas unkontrolliert umgeht. Etwa beim Scrollen durch die Timeline, wo kleine Drehs zu sehr kleinen Schritten führen und leicht größere Drehs zu extremen Sprüngen, weshalb man ohne Stufen ein Gefühl für das Rad entwickeln muss, was mir ehrlich gesagt schwer fällt. Ansonsten ist auf dem Rad auch wieder ein Touchdisplay angebracht. Dieses zeigt euch unterschiedliche Infos oder Bedienelemente an und akzeptiert auch Gesten, sodass man entweder durch eine Liste oder Seiten in der Anzeige wischen kann. Auch hier kann man die Anzeige personalisieren, also welche Informationen eingeblendet werden sollen, wie sie angezeigt werden sollen etc.

    Loupedeck CT

    Loupedeck CT – Software

    Alles einrichten könnt Ihr mit der zugehörigen Loupedeck Setup Software. Dieses erlaubt euch alle Tasten und Regler anzupassen und ihnen Aktionen und Eingaben zuordnen. Das Funktioniert über ein einfaches Plug & Play System. Solltet Ihr mal überfordert sein, ist eine Anleitung in der Software integriert, die euch das wesentliche schnell erklärt.

    Zu Beginn habt Ihr bereits mehrere Presets integriert. Das Loupedeck CT wechselt sofort sein Layout ohne euer Zutun, sobald Ihr eines der im Preset definierten Programme startet und im Vordergrund habt. Öffnet Ihr Premiere Pro ist es sofort im Premiere Pro-Modus. Wechselt Ihr zum Fenster mit Lightroom, habt Ihr sofort das Lightroom-Layout. Unterstützt werden bei Installation bereits 13 Presets für Mac Nutzer bzw. 11 für Windows Nutzer

    • Windows/System (allgemein Windows ohne aktive Software)
    • Ableton Live
    • After Effects
    • Audition
    • Aurora
    • Capture One
    • Final Cut Pro
    • Illustrator
    • Lightroom Classic
    • Loupedeck Keyboard (gibt euch z.B. ein Num Pad)
    • Photoshop
    • Premiere Pro
    • Streamlabs OBS

    Das sind alles Programme, die vollständig unterstützt werden, also quasi jede einzelne Funktion. Dazu gibt es auf der Webseite auch detaillierte Dokumentationen zu all diesen Programmen. Ihr müsst aber keines der Presets genau wie voreingestellt nutzen und könnt diese natürlich nach eigenen Vorlieben komplett modifizieren.

    Zudem kann man über die Software auf „find more“ klicken. Dies leitet euch auf die Webseite, wo man Custom Presets zu Programmen herunterladen kann, die vielleicht nicht zu 100% unterstützt werden, aber so man den Großteil der Basisfunktionen nutzen kann. Diese wurden vom Loupedeck Team selbst erstellt, aber haben einige Einschränkungen. Beispiel: Bei Davinci Resolve erlaubt die API den Zugriff auf die eigene Farbkorrektur nicht, weshalb man zumindest da ein wenig eingeschränkt ist.

    Folgende Custom Presets kann man aktuell herunterladen:

    • Davinci Resolve
    • Cinema 4D
    • Avid Pro Tools
    • Apple Logic Pro
    • Photomechanic
    • Pixologic ZBrush 2020
    • Blender
    • Serato DJ Pro
    • Steinberg Cubase Elements 10.5
    • Steinberg Cubase Pro 10.5
    • Izotope RX7
    • Spotify
    • Mozilla Firefox
    • Microsoft Outlook
    • Microsoft Excel
    • Autodesk 3ds Max
    • Screenflow
    • VoiceQ Pro und VoiceQ Writer

    Wenn da nichts für euch dabei ist, habt Ihr folgende Möglichkeiten: Ihr schaut nach Nutzer-Presets, welche andere Leute in Foren anbieten oder Ihr erstellt selbst eines, denn grundsätzlich könnt Ihr für jede Software Presets einstellen. Diese könnt Ihr dann auch exportieren und importieren um sie nicht von PC zu PC neu Einstellen zu müssen. Wie man aber sieht, muss es keine Videobearbeitung oder Bildbearbeitung sein. Ihr könnt auch Musikproduktionssoftware steuern, es für Streaming via OBS nutzen (wo es demnächst noch größere Updates geben soll), Ihr könnt Spotify steuern oder es für Microsoft Office Programme nutzen. Möglichkeiten habt Ihr wirklich sehr viele mit dem Loupedeck CT.

    Loupedeck CT – Preis und Verfügbarkeit

    Das Loupedeck CT ist bereits verfügbar und kostet aktuell zwischen 459 und 499 Euro. Verfügbar ist es bei vielen Online Shops wie Amazon, aber auch bei vielen Shops, die mit Fotografie und Videografie zutun haben. Es gibt zudem eine Option mit Tragetasche, falls Ihr das Loupedeck CT für euer mobiles Setup mitnehmen wollt.

    Loupedeck CT

    product-image

    Loupedeck CT

    8.1

    Das Loupedeck CT ist wirklich teuer. Jedoch steckt da sehr viel Technik drin, die eben genau auf bestimmte, professionelle Nutzer abzielt, die damit Ihren Workflow und Ihre Effizienz erweitern möchten. Und das kann man tatsächlich mit dem Loupedeck CT auch. Es ist eine lange Einarbeitungszeit nötig und das ganze Einstellen kann ewig dauern, aber wenn man es einmal geschafft hat, dann wird auch die ganze Arbeit danach deutlich einfacher. Zudem ist es nicht nur für Video und Bildbearbeitung, sondern praktisch für alles, egal ob Streaming, Büroarbeit und andere Dinge nutzbar. Gerade unterwegs, wenn man etwa keine vollwertige Tastatur und Maus mitnehmen kann, ist das Loupedeck CT kompakt genug um mitreisen zu können, denn es reicht wenn man seine Shortcuts dabei hat. Ich habe bereits komplette Videos damit ohne Zuhilfenahme anderer Werkzeuge geschnitten und es hat gut funktioniert. Beim dritten mal war ich sogar deutlich schneller als sonst. Braucht man das unbedingt? Nein, aber es kann helfen, wenn Ihr euch viel Zeit dafür nimmt. Und jeder der nicht seinen Lebensunterhalt damit verdient sollte sich das 12 mal überlegen, denn es ist wirklich sehr teuer.

    Pro
    • Einfach und Intuitiv, wenn man sich einmal einarbeitet hat
    • Fast unendlich viele Aktionen und Befehle pro Programm
    • Unterstützt viele beliebte Programme / Viele Presets
    • Benutzerdefinierte Presets für unterschiedliche Programme
    Contra
    • Sehr hoher Preis
    • (Noch) keine benutzerdefinierten icons
    • Hoher Einarbeitungsaufwand
    • Empfindlichkeit des großen Rades nicht anpassbar
    Sarah Elisa Oley
    Redakteurin für Umihito.de. Ich bin Sarah und bin in Sachen (Tech-)Blogging nicht mehr ganz grün hinter den Ohren. Ich mag Women-in-Tech und verbringe einsame Shutdown-Abende mit Netflix oder Amazon Prime. Manchmal beides gleichzeitig.

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