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    Archetype: Tim Henson – Einführung

    Neural DSP dürfte vielen modernen Gitarristen mittlerweile ein Begriff sein. Denn das finnische Unternehmen ist bekannt dafür Plugins (bzw. Standalone-Software) in Zusammenarbeit mit bekannten Gitarristen zu entwickeln und ihren Signature Sound für alle mit 100% Genauigkeit verfügbar zu machen. Mit dem Archetype: Tim Henson schauen wir uns das Plugin des Polyphia Gitarristen Tim Henson an, dessen progressiver Sound mit normalen Mitteln schwer nachzumachen ist und welcher selbst die Software mittlerweile für die eigenen Produktionen nutzt, da sie einige einzigartige Features mitbringt.

    Neural DSP Archetype_ Tim Henson Musik Gitarre Software Verstärker Modeler Amp Multivoicer Test Review

    Neben Archetype: Tim Henson gibt es aber auch Plugins mit Gojira als Must Have Komplettpaket für alle Heavy Metal Spieler, John Petrucci als Allround-Paket für alles, Plini, Nolli, Rabea Massaad und andere. Neben den stark spezialisierten Plugins kann ich als Basis definitiv John Petrucci und Gojira empehlen. Neben drei Verstärkern (zwei für E-Gitarre, eins für Akustik), den hier besonderen Multivoicer als vierstimmigen Harmonizer und viele weitere Effekte, auf die ich gleich eingehe.

    Neural DSP Archetype

    Zum Verständnis: Zwar nutze ich während des Berichtes überwiegend das Wort Plugin, jedoch kann man nach dem Kauf das Archetype: Tim Henson sowohl als Plugin (VST/AU/AAX Standard) als auch als Standalone-Programm für Windows und Mac OS herunterladen. Das gilt für alle Plugins von Neural DSP. Der Vorteil ist, dass Leute, die gerne Musik produzieren es in die Musik-Software ihrer Wahl integrieren können, während Hobby-Girarristen es als eigenständige Software nutzen können, wo sie einfach per Interface ihre Gitarre an den PC anschließen müssen und direkt losspielen können. Für eine möglichst geringe Latenz empfehle ich jedoch definitiv ASIO4ALL bzw. einen alternativen Treiber.

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    Archetype: Tim Henson – Amplifier

    Simulieren könnt ihr mit dem Archetype: Tim Henson zwei Modelle von E-Gitarrenverstärkern und einen Akustikverstärker. Mit einer großen Auswahl an Speaker-Simulationen, basierend auf Impulsantworten (IRs), kann man diese gant leicht kombinieren. Hinzu kommen Gitarrenpedalen wie Booster, Kompressoren und digitale Effekte wie Chorus, Reverb, Delay, Multivoicer Harmonizer und sogar einen EQ. Das Plugin bietet dabei eine festgelegte virtuelle Signalverarbeitungskette, bei der die Reihenfolge der Komponenten nicht verändert werden kann. Die Signalverarbeitung besteht aus: Pre FX > Amp > Cab > Multivoicer > EQ > Post FX. Der Fokus liegt hier natürlich auf dem Sound des Künstlers, jedoch hat man hier trotz begrenzter Auswahl an Amplifiern genug Spielraum für unterschiedliche Musikgenres und Spielstile.

    Der schwarze Akustik-Verstärker für Nylon-Saiten kann wie ein linearer Studiopreamp klingen, liefert aber auch den typischen Sound von Akustik-Simulatorpedalen und ist relativ höhenreich. Der weiße Rhythm-Amp deckt den Bereich von Clean bis Mid Gain ab und klingt sehr schön beim Einsetzen des Break-Up. Der pinke Lead-Amp ist kein High-Gain oder Metal Amp, sondern kommt eher mittig positioniert, kann aber dennoch für diese Genres benutzt werden, sodass man auch Musikstücke von Polyphia, die ein wenig Richtung Metal gehen spielen kann. Wer hier mehr möchte, sollte sich das Gojira Plugin holen, da das ein Traum für Metal-Gitarristen ist.

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    Archetype: Tim Henson – Cabinets

    Das Cabinetmodul des Archetype: Tim Henson ermöglicht die Wahl zwischen zwei internen 4×12″ Boxenmodellen und dem Laden von eigenen bzw. Third-Party-Impulsantworten. Jedes Cabinet kann mit zwei unterschiedlichen Mikrofonen simultan aufgenommen werden, die man in ihrer Lautstärke und Position verändern kann. Dies ermöglicht die Anpassung des Klangs an die individuellen Anforderungen. Der Zugang zu unterschiedlichen Boxenmodellen und Impulsantworten erweitert die Möglichkeiten und authentizität des Klangdesigns erheblich.

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    Der Kompressor arbeitet effektiv und kann verschiedene Arten von Twang erzeugen. Der Chorus bietet nur ein Setting, aber es ist sinnvoll gewählt und erzeugt eine Modulation mit mittlerem Rate- und Depth-Wert. Der Booster liefert bei Mittelstellung des Bass- und Tremble-Reglers eine eher lineare Volumenanhebung, aber ohne zu viel zu verzerren.

    Neben dem Cabinetmodul bietet das Tim Henson Plugin auch eine Vielzahl an Effekten, die in einen Pre FX-, einen Multivoicer, einen EQ und einen Post X Block unterteilt sind. Die Pre-FX-Sektion besteht aus einem Booster, einem Kompressor und einem Overdrive Pedal. Diese Effekte ermöglichen die Feinabstimmung des Klangs auf die eigenen Vorlieben.

    Das Overdrivepedal hat eine dicke Mittennase und Basscut. In Kombination mit der pinken Amp erhält man schöne Rocksounds und kann auch den High-Gain Bereich abdecken. Das links-rechts Panning der Mikes hilft, um fette und breite Gitarrenwände zu generieren. Der Cabbock bietet auch die Möglichkeit eigene IRs zu laden, was die Vielseitigkeit noch erhöht.

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    Archetype: Tim Henson – Multivoicer:

    Ein Feature, das aktuell nur das Archetype: Tim Henson hat ist der Multivoicer. Hierbei handelt es sich um einen vierstimmigen Harmonizer, der mit einer großen Auswahl an Soundoptionen daherkommt. Jede der vier Stimmen lässt sich in Bezug auf das harmonisierte Intervall, die Lautstärke und das Panning frei einstellen. Im Workspace des Multivoicers lassen sich Level und Panning, aber auch das Delay und der Feintuninggrad der einzelnen Stimmen nochmal grafisch sehr anschaulich einstellen.

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    Selbstverständlich können auch die Tonarten und bestimmte Akkordpresets frei ausgewählt werden, wobei sogar diverse Clustervoicings bereitstehen, die sehr interessante Sekundenintervalle beinhalten. Ein ganz besonders Feature bietet der MIDI Mode, in dem man über ein MIDI-Keyboard die Tonhöhen der verschiedenen Stimmen präzise steuern kann. Daran angeschlossen ist ein Equalizermodul, das neun Bänder bearbeitet und die jeweiligen Frequenzen um 12 dB boosten oder senken kann und dadurch nochmal mehr Möglichkeiten der Personalisierung bietet.

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    Am Ende der Signalkette des Archetype: Tim Henson findet man alle zeitbasierten Effekte. Dazu gehört ein einfacher Chorus, der lediglich über einen Dry/Wet-Blendregler verfügt. Das ermöglicht die Erstellung von komplexen Klanglandschaften und die Erweiterung der Klangpalette. Umso vielseitiger ist das Delay, das mit den drei Modi “Ping Pong, “Wide” und “Normal” daherkommt und mit “Diffusion”, “Vintage Digital” und “Modern” gleich drei Delay-Typen mitbringt. Auch ein Low und High Cut Filter wurden auf dem Delay-Pedal untergebracht und die Delay Time kann wahlweise getappt, oder zum Songtempo gesyncht werden. Entsprechend hat man hier eine enorme Flexibilität.

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    Natürlich wäre das Archetype: Tim Henson ohne Reverb nicht vollständig. Dieses ist sehr flexibel und verfügt über einen Blendregler, ein Low und High Cut Filter sowie einen schaltbaren Shimmereffekt.

    Archetype: Tim Henson – Presets

    Wie ein Plugin funktioniert muss ich Musikproduzenten nicht erklären. Daher habe ich das Archetype: Tim Henson für den Test überwiegend als Standalone Software benutzt, da sicherlich viele Nutzer eher Richtung Hobby-Gitarristen und Fans positionieren dürften, auch wenn professionelle Nutzer hier auch kompromisslos bedient werden. Als Gitarre kam hier meine Ibanez Az2204N zum Einsatz.

    Ibanez AZ2204N AWD

    Speziell die Künstlerpresets sind hier interessant und bieten eine große Anzahl an Klängen, die man sofort nutzen kann, ohne irgendetwas selbst einzustellen. Dabei sind nicht nur die eigenen Presets von Tim Henson integriert, wie etwa G.O.A.T, mit dem ich gefühlt die meisten Musikstücke der Band spielen könnte, da der Klang unglaublich authentisch ist. Das hat mir auch das lernen einiger Songs deutlich leichter gemacht, da ich direkt aus dem Ohr heraus spielen konnte und nicht unbedingt nach Tabs schauen musste. Sobald ich angefangen habe z.B. G.O.A.T. zusammen mit dem Musikvideo zu spielen, war das so immersiv, dass mich nur meine eigenen Fehler da rausgebracht haben. So gut feingetuned sind die Presets.

    Neural DSP Archetype_ Tim Henson Musik Gitarre Software Verstärker Modeler Amp Multivoicer Test Review

    Dazu Gesellen sich aber auch einige Factory Presets von Neural DSP selbst und einige besondere Presets von anderen Musikern, wie im Screenshot unten zu sehen ist.

    Dabei sind das Presets, die sie mit dem Archetype: Tim Henson erstellt haben und die entweder einen ganz anderen Sound aus dem Plugin herausholen oder auch einfach experimentell sind. Man kann sich hier also eines der (wenn ich mich nicht verzählt habe) 166 Presets auswählen und dann ggf. nach eigenen Vorlieben selbst anpassen. Die eigenen Presets von Tim Henson sind nur acht davon. Auch kann man eigene User-Presets erstellen und diese exportieren. Das ist dann hilfreich, wenn Polyphia z.B. einen Song hat, der hier nicht abgedeckt wird, wo aber Leute aus der recht aktiven Community diese bereits erstellt haben und zum Import zur Verfügung stellen. Beispielsweise wenn man aus einem Song etwa nur den Part von Scott spielen möchte, dessen Sound oft etwas anders ist.

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    Archetype: Tim Henson – Preis und Verfügbarkeit

    Neural DSP Archetype: Tim Henson ist bereits erhältlich und kann nur bei Neural DSP auf der Webseite erworben werden und kostet 119 €. Dabei bekommt ihr automatisch das Plugin und die Standalone-Software, die man ohne weitere Musiksoftware nutzen kann, für Windows und Mac OS. Jedes Plugin könnt ihr übrigens 14 Tage lang kostenlos ausprobieren. Das würde ich generell empfehlen, damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, ob es was für euch ist, bzw. welches Plugin am besten für euch geeignet ist.

    Neural DSP Archetype_ Tim Henson Musik Gitarre Software Verstärker Modeler Amp Multivoicer Test Review

    Das einzige was ihr braucht ist eine Gitarre und ein Interface. Ersteres dürftet ihr vermutlich haben, bei letzterem gibt es eine riesige Auswahl, z.B. das Shure Motiv MVi dürfte für Beginner bzgl. Preis-Leistung interessant sein. Es geht aber auch viel günstiger oder viel teurer, abhängig davon, was ihr braucht.

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    In jedem Fall wird jedoch neben der Software selbst die iLok Lizenzmanagement-Software benötigt, die euch erlaubt die Software auf bis zu drei Geräten gleichzeitig zu aktivieren. Soll ein viertes Gerät dazu muss ein Gerät abgemeldet werden. Flexibler ist man mit dem iLOK USB-Stick, wo man seine Lizenz quasi mitnehmen kann. Die Registrierung dafür ist kostenlos.

    iLok Neural DSP Archetype_ Tim Henson Musik Gitarre Software Verstärker Modeler Amp Multivoicer Test Review

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    Archetype: Tim Henson

    9.5

    Insgesamt ist das Neural DSP Archetype: Tim Henson ein sehr gutes Plugin bzw. Standalone Software für die man kein Fan der Band oder des Künstlers sein muss. Es reicht wie ich einfach einen besonderen Sound oder Spielstil anstreben zu wollen, wo das Tool genug Features bietet, um einen eigenen Signature-Sound für sich zu finden. Gerade mit dem Multivoicer hat man nämlich ein unglaublich mächtiges und flexibles Tool, das unendliche Möglichkeiten bietet, um mit der Gitarrenstimme zu experimentieren und kreativ zu sein. So, wie es kein anderes Plugin aktuell möglich macht. Es ist ein unverzichtbares Werkzeug für jeden Musiker oder Produzenten, der seine Klangpalette erweitern und seine Kreativität ausdrücken möchte.

    Pro
    • Sehr viele Presets mit Import- & Export-Möglichkeit
    • Sehr authentischer Sound
    • Besonderes Design
    • Multivoicer als mächtiges und einzigartiges Werkzeug
    • Integriertes digitales Stimmgerät
    Kontra
    • Per iLok auf maximal drei aktive Geräte beschränkt
    Ümit Memisoglu
    Gründer und Chefredakteur von Umihito.de. Foodvlogger, Technikblogger und Ingenieur.

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